Mika

Hauptsache laut!

von Lea Stolpe

Als uns eine Bekannte im November 2010 auf ein Youtube-Video von einer sechs Monate alten Mudihündin aus Ungarn aufmerksam machte, hatten wir zwar schon für Mudis an sich Interesse, jedoch nicht zu dem jetzigen Zeitpunkt. Unsere beiden anderen Hunde (Berger des Pyrenées und Terrier-Mix) hielten uns eigentlich genug auf Trab. Aber wie es immer so ist, verliebten wir uns in das kleine, kläffende Fellbündel und beschlossen, sie zu kaufen. Auch die Tatsache, dass sie als sehr schüchtern und misstrauisch beschrieben wurde, machte uns nicht allzu viel Sorgen, das würde schon werden, sie hatte ja auch eine gute Abstammung. Also fuhr ich mit meiner Mam bei Schnee und Glatteis am 10.Dezember 2010 nach Graz, wo wir uns mit der momentanen Besitzerin zur Übergabe trafen. Mika war so süß! Total klein und so einen dicken Lockenpelz! Sie war zwar sehr schüchtern, aber so hatten wir uns es vorgestellt. Daheim ging’s aber dann los… Sie hatte vor allem Angst! Parkende Autos, Busse, laute Geräusche, laufen an der Leine und am schlimmsten natürlich vor Menschen. Unsere anderen beiden Hunde waren so überfordert mit ihrer panischen Angst, dass sie überhaupt nicht wussten, wie sie mit ihr umzugehen hatten. Im Haus hatte sie sich relativ schnell eingelebt, das Sofa war von der ersten Sekunde an ihr Stammplatz (und ist es auch noch heute!) und nur die Gewöhnung an meinen Vater dauerte einige Wochen.

Draußen mit ihr war es Stress pur… War sie bei der Übergabe nur schüchtern, verwandelte sie sich bei uns in ein hysterisch kläffendes schwarzes Fellbündel, was fremde Menschen am liebsten umkreiste und sich nicht mehr einfangen ließ. War sie an der Leine und jemand kam uns auf dem Gehweg entgegen, versuchte sie panisch sich aus dem Geschirr herauszuwinden und die Flucht zu ergreifen. Nach einer Woche Eingewöhnungszeit ging ich mit ihr in die Junghundegruppe, in der Hoffnung dass sie dort ein wenig mit anderen Hunden spielen und positive Erfahrungen sammeln könnte. Leider stand sie die ganze Stunde im hintersten Eck des Platzes und kläffte. Sie wäre zu mir schon sehr gerne gekommen, aber das traute sie sich nicht. Von arbeiten mit ihr am Hundeplatz konnte auch keine Rede sein.

In den folgenden Monaten nahm ich sie überall mit hin, trainierte mit ihr am Hundeplatz, clickerte, etc. doch es zeigten sich nur minimale Fortschritte. Nach einem Jahr bei uns, konnte sie am Agility Training ganz normal teilnehmen, da sie so im Trieb war und die Leute dort allmählich kannte, Unterordnung ging auch soweit, wenn keiner uns zu nahe kam und Gassi gehen blieb einfach immer noch Stress mit Schleppleine und lautem Gebell. Meiner Mam war das immer zu viel Stress, sie fuhr zum Gassi gehen immer da hin, wo man keinem Menschen begegnete.

Also zwischendurch waren wir echt am verzweifeln, aber sie ist so ein süßer Hund, verschmust und total anhänglich, da konnte man ihr (fast) alles verzeihen.

Heute leben wir nicht mehr am Stadtrand, sondern wohnen auf einem Dorf mit 160 Einwohnern und unser Leben mit Mika hat sich total entspannt. Wir treffen kaum jemanden beim Spazierengehen und die Leute hier sind an Mikas hysterisches Geschrei gewöhnt, wenn sie z.B. eine Katze sieht oder sich einfach nur freut. Im November 2012 habe ich mit ihr sogar die Begleithundeprüfung bestanden! Es war ein richtig harter Kampf und wir haben auch nur bestanden, weil ich die Chipkontrolle selber durchführen durfte, sie nicht nach vorne geht wenn sie Angst hat und sie die Unterordnung so schön gelaufen ist, dass die miserable Gruppenübung nicht weiter ins Gewicht gefallen ist 😉

Agility macht ihr so großen Spaß, dass wir uns auch seit Februar 2013 auf Agilityturnieren probieren. Am Anfang wollte sie natürlich überhaupt nicht laufen und ist nur kläffend zum Richter gerannt, mittlerweile läuft sie ganz gut und hat sogar schon zwei Qualis für die A2 gesammelt! Aber natürlich läuft sie im Vergleich zum Training nicht besonders gut, da ist sie eine richtige Rennsemmel, aber das ist nicht so schlimm, ich hätte mir nie erträumen können, dass sie überhaupt mal ein Turnier laufen kann!

Abgesehen von ihrer Ängstlichkeit gegenüber Menschen (uns besonders natürlich Kindern!) ist sie ein richtiger Traumhund. Im Haus merkt man sie fast überhaupt nicht, sie schläft am liebsten auf dem Sofa oder in irgendeinem Bett und auch mit unseren anderen Hunden kommt sie super zurecht. Draußen ist sie halt seeehr laut, jetzt nicht mehr aus Angst sondern einfach so, weil es ihr anscheinend Spaß macht. Am liebsten spielt sie mit dem Ball oder clickert oder ist auf dem Agilityparcours zu finden.

Also alles in allem sind wir froh, dass wir unsere Mika haben und ich bin auch mittlerweile von Mudis begeistert, dass ich mir im Sommer 2014 noch mal einen kleinen Welpen holen werde, diesmal dann hoffentlich nicht einen ganz so ängstlichen 😉


Steckbrief

Name:  Nyírségfia Darázs „Mika“
Geboren: 20.05.2010
Hobbys: Agility, Ball spielen, kläffen und unsere anderen Hunde jagen
Eigenschaften: verschmust, triebig, verspielt, bellfreudig
mag nicht: fremde Menschen, Kinder, Fahrräder, laute Geräusche
wohnt in: bei Schwabach
bei: Familie Stolpe


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