Hüten

Mudis beim Hüten in UngarnDa der Mudi seinem Ursprung nach ein Hüte- bzw. Treib-Hund ist, widmen wir dem Thema hier natürlich eine eigene Seite. Allerdings ist in Deutschland nicht sehr viel über Mudis und ihre Arbeit am Vieh bekannt, unseres Wissens gibt es im Osten Deutschlands immerhin einen Schäfer, der einen Mudi im Einsatz hat (falls ihn jemand treffen sollte, möge er bitte unbedingt Fotos und vielleicht ein Interview machen!). In Ungarn, in Österreich und in der Schweiz gibt es einige „hauptberufliche“ Hüte-Mudis. Für viele Familien-Mudis ist es ein beliebtes Hobby, in Ungarn ist das Hütetraining ähnlich populär wie in Deutschland der Hundesport. Es gibt Wettbewerbe und Meisterschaften.

 

Zur Hüte-Art des Mudi:

Mudis beim Hüten in UngarnDenkt man an Hütehunde, hat jeder vermutlich zuerst das Bild eines Border Collies vor Augen. Im Vergleich zum irischen Koppelgebrauchshund gibt es einige Unterschiede bei unseren ungarischen Freunden, die eher an größeren Herden werden. Früher häufig auch an Rindern und Schweinen, heute hauptsächlich an Schafen. Um die oft gestellte Frage aber vorweg zu nehmen: der Mudi kann wie ein Border Collie arbeiten, aber es ist ihm nicht so selbstverständlich in die Wiege gelegt.

Die wichtigstens Unterschiede sind etwa:

  • der geringere Arbeitsabstand zum Vieh
  • der Mudi bringt seine Stimme zum Einsatz
  • kein Fixieren in geduckter Körperhaltung

Der Mudi entstand aus den Ansprüchen, die die Schäfer an einen Hütehund hatten: er sollte zäh und widerstandsfähig sein, mutig und durchsetzungsstark, gehorsam und wachsam. Sein Fell erfüllt die Anforderungen, die das Klima in Ungarn an einen robusten Arbeitshund stellt. In den kalten Wintern wärmt es und im Sommer schützt es gegen die Hitze, denn die Arbeitsbedingungen waren hart.
Ein vielfältiges Einsatzgebiet mit unterschiedlichen Aufgaben machte den Mudi zu einer unersetzbaren Arbeitskraft: eine Herde temperamentvoller Rinder konnte sich als ausgesprochen schwierig erweisen und der Mudi mußte mit einer gewissen Härte durchgreifen, wenn er z.B. einen Jungbullen aus dem unwegsamen Gebüsch zurück zur Herde treiben sollte. Dazu hat er mitunter seine Zähne einsetzen müssen um seinen Job zu erfüllen. Allerdings durften und sollten Mudis im Einsatz an Schafherden behutsamer vorgehen! Es war daher eher wegen der Verletzungsgefahr nicht üblich an Rindern arbeitende Mudis, die gelernt hatten, sich mit Bissen in die Hinterläufe durchzusetzen, auch an Schafen arbeiten zu lassen.

Mudis beim Hüten in UngarnHeute sind aufgrund der landwirtschaftlichen Situation, bzw. der Stallhaltung, kaum noch große Rinder- oder Schweineherden in Ungarn unterwegs. Allerdings gehören Schafherden in einer Größenordnung von bis zu 1000 Tieren durchaus noch zum „Arbeitgeber“ für Mudis. Dort leistet ein einzelner Hund die Arbeit, die laut Schäfer, keine 5 Männer leisten könnten. Je nach Gelände müssen sie dafür sorgen, daß die Herde nicht in „verbotene“ Gefilde gerät, also Herdengebrauchshundarbeit leisten. Aber sie helfen auch beim Teilen und Aussortieren einzelner Tiere, ebenso beim Einpferchen.
Die Hauptarbeit ist das Treiben, wobei der Hund in Höhe des Schäfers die Schafe vor sich hertreibt und je nach Kommandos rechts und links flankiert.

Das Bellen hat dabei den Vorteil, dass die Schafe den Hund viel früher wahrnehmen als wenn dieser durch Fixieren und Körpersprache arbeiten würde. Dauerkläffer sind allerdings auch bei Schäfern nicht beliebt! Mudis sollen nur bellen, wenn es nötig ist – im Idealfall nur während der direkten Treibarbeit.
Der junge Arbeitsnachwuchs soll im Alter von 3-5 Monaten schon erstes Interesse an der Herde zeigen. Sorgfältig ausgebildet wird er vorzugsweise allein vom Schäfer und ohne vom erfahrenen Ersthund abzuschauen, da sich die Hunde sonst zu sehr aneinander orientieren, schlechter einzeln ansprechbar sind und eventuell sogar in eine Konkurrenz zueinander geraten.
Auf der Grundlage seines natürlichen Instinkts, die Herde zu umkreisen, werden dann die nötigen Fähigkeiten verfeinert, wie z.B. die Kommandos für „rechts“ und „links“, das Stoppen und nicht zuletzt das unmittelbare, sichere Zurückkommen aus jeder Position.

Man kann Mudis auch im Stil der Border Collies ausbilden, sie können auf der 12-Uhr-Position arbeiten, Mudis beim Hüten in UngarnOutruns lernen, aber es fällt nicht allen Mudis leicht. Und das macht es leider auch ein bißchen schwierig, in Deutschland geeignete Trainingsmöglichkeiten zu finden. Zum einen fehlt vielen Ausbildern das Wissen über die Hüteeigenschaften von Mudis (und auch Pumis und Pulis), das kann schnell zu Frust auf Seiten von Hund und Halter führen, zum anderen erfreut sich der stimmliche Einsatz der Mudis oft keiner großen Beliebtheit, in Wohngebieten kann ein sonntagmorgendliches Hütetraining zu recht unerfreulichen Reaktionen führen …

Nun die gute Nachricht: Mudis mutieren nach dem ersten Hüteversuch im allgemeinen nicht zu Hütejunkies! Sowohl in Ungarn als auch hier nehmen die Hunde keinen Schaden, wenn sie nicht regelmäßig am Vieh arbeiten dürfen. Es ist auch nicht unbedingt jederhunds Sache, den meisten Mudis macht es Spaß und es ist eine Freude zu sehen, wie der eigene Hund sein Hütetalent entdeckt und über das ganze Gesicht strahlt!

 

Hier ein kleiner Einblick zum typischen Treibverhalten der Mudis:
Királytanyai Gubás Csenkesz von Kati Timár-Geng

Quelle + mehr Videos von Kati Timár-Geng: youtube

 

(unter dem Suchbegriff „mudi terel“ oder „herding mudi“ findet man mehr Videos zum Thema Mudis und Hüten)