Stimmen zum Mudi

Verschiedene Statements zu diesen sehr ursprünglichen Hütehunden


Über den Mudi und den Kroatischen Schäferhund

von Polona Bonac

„Ich möchte keinen Border Collie, weil den ja jeder hat“ – das ist die häufigste Antwort, wenn ich Leute frage, warum sie überlegen sich einen KHS / Mudi anzuschaffen. Ich halte das für keinen guten Grund, um sich überhaupt einen Hund egal welcher Rasse anzuschaffen! Wie man sich vorstellen kann, bin ich über solche Aussagen ziemlich verärgert. Besonders wenn ich dann höre, dass die Leute tatsächlich erwarten, dass KHS / Mudis sich wie Border Collies verhalten. Allerdings hätte ich dies hier vermutlich nicht geschrieben, wenn ich Kiša nicht kennen gelernt hätte. Diesen Hund, der er sehr schwer hatte, den richtigen Besitzer zu finden, kann ich nur mit Superlativen beschreiben! Ich konnte es anfangs nicht verstehen, aber dann habe ich realisiert, dass es alle meine Erwartungen übertroffen hat.

Heutzutage erwarten die Leute sehr viel von ihren Hunden und sind dabei oft nicht bereit zu erkennen, dass Hunde ebenfalls Erwartungen haben, und diese Erwartungen können sich von Hund zu Hund komplett unterscheiden – auf der Grundlage ihrer Rasse. Für mich offensichtlich: wenn jeder Hund in jeder Situation die gleichen Aufgaben gleich gut erledigen würde, gäbe es keinen Grund 400 verschiedene Rassen zu züchten, oder?

Was also können wir von einem KSH / Mudi erwarten? Oder noch wichtiger: was kann dieser Hund von uns erwarten? Der KSH / Mudi ist zum Arbeiten gezüchtet worden. Nicht nur für eine spezielle Aufgabe. Er wurde gezüchtet um als rechte Hand seines Herrn zu dienen. Sein Job war es die Herde zu begleiten und zu beschützen (egal welche Tierart – Kühe, Schafe, sogar Schweine). Er sollte das Eigentum bewachen, damit sich niemand unangemeldet nähern konnte. Die Ställe sollte er frei von Ratten und Mäusen halten und wenn nötig, seinen Herrn bei der Jagd unterstützen.

Ich hoffe, Du kannst Dir nun vorstellen, warum Dein KSH / Mudi einen Job von Dir erwartet! Und wenn Du keine Arbeit für ihn hast, wird er sich selbst eine suchen. Und ich bin sicher, dass Du das nicht willst. Er kann sehr erfinderisch sein, d.h. Du könntest einen neuen Wohnungsdekorateur bekommen. Er könnte all Deine Besucher in einem Raum zusammentreiben und diese „Herde“ daran hindern den Raum zu verlassen. Genauso gut kann er Dein persönlicher Bodyguard werden und alles von Dir fernhalten, was sich bewegt.

Dein KSH / Mudi wurde gezüchtet um Deine rechte Hand zu sein – also erwartet er von Dir, dass Du sein Chef bist! Er muß die Sicherheit haben, dass Du die Verantwortung trägst, dass Du da bist und ihm sagst, welcher Job gemacht werden muß und dass Ihr beide das als Team macht. Du bist derjenige, der Probleme löst und Deinen Hund vor Schwierigkeiten bewahrst. Du bist derjenige, von dem er abhängig ist und der niemals vergessen sollte ihm zu sagen, was für ein großartiger Freund er ist und wie viel einfacher das Leben ist, seit Ihr ein Team seid!
Wenn Du es nicht schaffst, der Chef zu sein, den Dein Hund erwartet, wird er sich entscheiden alleine zu arbeiten und ich muß wohl nicht erklären, dass das nicht gut enden würde…

Sie sind LAUT und sie werden viel BELLEN. Meiner Erfahrung nach gibt es kaum eine andere Rasse, die so viel bellt. Du kannst nicht von ihm erwarten, dass er den ganzen Tag ruhig ist. Ich will damit nicht sagen, dass Du ihn den ganzen Tag lang bellen lassen musst (ich tu es nicht und ich lebe mit 3 Kläffern in einer Mietwohnung und bin trotzdem nicht rausgeflogen), ABER wenn Du auf Bellen allergisch reagierst, wenn Du es haßt, dass Dein Hund bei der Arbeit bellen könnte, wenn Du nicht willst, dass er Dir meldet, wenn sich jemand nähert und wenn Du ruhige, friedliche Spaziergänge liebst, ist der KSH / Mudi kein Hund für Dich, egal wie banal das jetzt klingt. Er ist keine andere Ausführung eines Border Collies. In Wirklichkeit ist er eher einem Terrier ähnlich als einem Border Collie. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Du mehr Zeit und Geduld brauchst, Deinem KSH / Mudi etwas beizubringen. Diese Hunde sind mitunter so leicht erregbar, dass es ihnen manchmal schwer fällt nachzudenken. Oder um es mit den Worten einer Freundin und Kisa’s Züchter, Tanja Janeš, zu sagen: „Sie bellen so laut, dass sie ihre eigenen Gedanken nicht hören“.

Während die meisten Border Collies auf größere Distanzen arbeiten, hassen es die meisten KSH / Mudis mehr als einen Meter von Dir entfernt zu sein. Bevor Du also überlegst, einen solchen Hund zu nehmen, versuche Dir vorzustellen, wie Du im Parcours versuchst ihn über ein Hindernis zu schicken, während er um Dich rum springt, vielleicht sogar versucht, nach Deinen Sachen oder Deinen Händen zu schnappen und aus voller Lunge bellt. Wenn Du schon bei dem Gedanken daran nervös wirst – ja, so in etwa werden Eure ersten Trainingsversuche aussehen 😉
Anders als die meisten Border Collies sind KSH / Mudis nicht automatisch freundlich zu allen anderen Hunden oder Menschen. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sie Fremde nicht besonders mögen. Während einige ganz ruhig und schüchtern sein können, neigen andere eher zu Dominanz und Härte. Und sie müssen lernen, welches Verhalten nicht tolerierbar ist! Aber wenn Du einen Familienhund brauchst, der fröhlich auf jeden Schoß springt oder lediglich der Spielkamerad für Deine anderen Hunde sein soll – dann ist der KSH / Mudi kein Hund für Dich!

Also: sie müssen arbeiten, sie bellen, das bloße Zusammensein mit anderen Hunden oder Menschen genügt ihnen nicht und sie haben genug Energie, den ganzen Tag zu arbeiten. Sie erwarten im Gegenzug Zeit und Energie von Dir! Bitte denk sorgfältig darüber nach, wenn Du nicht beides hast.
Und vergiß bitte nicht: ein KSH / Mudi ist kein Hund, den Du haben solltest, weil Du nur eine besondere Rasse haben willst. Es ist ein Hund, den Du nur haben solltest, weil Du Dir nicht vorstellen kannst, einen anderen außer diesen einen zu wollen!

Ich gebe zu: ich bin süchtig! Ich liebe ihre unerschöpfliche Energie, ihre Begeisterung und ihren enormen Arbeitswillen! Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wie ruhig das Leben sein kann, aber ich möchte keine Sekunde missen! Sie erfüllen alle meine Erwartungen und ich hoffe, ich bin alles, was Šja, Šaj und Kiša von mir erwarten. Ja, manchmal machen sie mich nervös und sie machen mich jeden Tag müde, aber ich kann mir kein Leben mehr ohne sie vorstellen.
Kannst Du Dir Deins mit ihnen vorstellen?

Polona ist international erfolgreiche Hundesportlerin und lebt u.a. mit
Mudi-Hündin Šja und den Kroatischen Schäferhündinnen Šaj und Kiša zusammen.
Neben Agility beschäftigt sie ihre Hunde mit Obedience, Tricks und Suchen.
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Quelle: polonabonac.com
Mit freundlicher Genehmigung von Polona Bonac
Übersetzung: Karin Hellriegel + Danielle Over

 


1987 “ Hundeführer“ ung. Fachbuch über div. Hunderassen

von Szinák Jánosc und Veress István

Zum Verhalten, Eigenschaften des Mudi:
Der Mudi ist nicht so eine laute Rasse wie der Pumi, aber auch nicht ruhig.
Er ist bewegungsfreudig, lebhaft, wachsam, sehr schnell, und reagiert auf alles blitzschnell. Er ist leicht zu handhaben und recht gehorsam. Es ist ein mutiger und draufgängerischer Hund. Das Hüten ist ihm angeboren, es liegt in seinem Blut, man muss es ihm kaum noch beibringen. Er läßt kein Tier aus der Herde entkommen, er ruht für keine Sekunde, wenn er an der Herde arbeitet. Er ist ein sorgfältiger, mutiger Hütehund, der seine Schutzbefohlenen nicht verletzt.

Verwendung:
Der Mudi ist sicherlich ein ebenso guter Hütehund wie die viel bekannteren „Verwandten“ Puli und Pumi. Er arbeitet ebenso an großen Tieren wie an der Herde hervorragend. Er kennt keine Angst, er treibt die ausbrechenden oder bockigen Tiere fast ohne Kommando selbstständig und bestimmt zur Herde zurück. Ebenso hat er sich als Wachhund bewährt, weil er nicht zu sehr viel bellt, aber gegenüber Fremden sehr mißtrauisch ist und diese mit lautem Gebell meldet.
Einige haben auch bei der Wildschweinjagd Erfahrungen gemacht.
Durch sein kurzes Fell verursacht die Pflege keine besondere Mühe, er eignet sich auch für die Wohnungshaltung. Es ist ein vielseitiger, fast für jedes Gebiet einsetzbarer Hund.


Der Mudi

von Erika Kiss
übersetzt von Silke Sobek

Dies ist meine Niederschrift zu dieser seltenen Hunderasse. Und obwohl dieser Artikel teilweise nicht schmeichelhaft ist, ist er aus Bewunderung für diese Rasse geschrieben. Gerade weil der Mudi so niedlich und liebenswert ist, ist es doch keine Rasse für Jeden.

Erstens, der Mudi ist eine Arbeitsrasse. Seine Aufgabe war es alle Art von Viehzeug zu hüten und bewachen, genauso wie er auch den Bauernhof zu bewachen hatte. Neben seinen großartigen Hüteeigenschaften ist er auch ein vielseitiger Hofhund und ein eifriger Partner für die Jagd, von Wildschwein über Hasen bis zu Mäusen und Ratten. Obwohl der Mudi ein eher kleiner Hund ist, braucht er eine Aufgabe und ist sehr aktiv. Und: er weiss nicht, dass er ein kleiner Hund ist…

Ich habe mir gedacht, es ist am besten die oben genannte Verwendung dieser Arbeitsrasse der heutigen Verwendung als Familienhund gegenüberzustellen.

Verwendung:
Hütehund. Wegen seiner unerschrockenen Art ist er sehr beliebt bei Schäfern die es mit großen oder schwierigen Viehzeug zu tun haben. Er wird sogar bei der Jagd auf Wildschweine eingesetzt. Exzellenter Wach- und Begleithund. Ein Hund auch für die Drogensuche. Hervorragender Agility-Hund, liebenswerter Familienhund. Durch sein kurzes Fell und seiner großen Anpassungsfähigkeit ist es kein Problem ihn im Haus zu halten.

Wesen/Verhalten:
Der Mudi besitzt eine sehr hohe Lernbereitschaft, er hat ein lebendiges Temperament, ist unerschrocken, wachsam, arbeitswillig, aufmerksam und anpassungsfähig.

Hier ein Auszug aus dem neuen FCI-Standard:

1. Hütehund, großer Arbeitswille
Also diese Rasse ist ein Hütehund, so wie der Border Collie oder Australian Cattle Dog (Blue Heeler). Der Mudi treibt, d.h. er geht hinter das Vieh und bellt oder kneift in die Fersen um sie in Bewegung zu setzen. Einige Mudis sind dabei zu grob für Schafe und arbeiten besser an Rindern. Haben sie schon einmal einen Grauen Ungarn gesehen? Das ist eine Rinderrasse aus Ungarn die größer als amerikanische Rinder sind, und auch große Hörner tragen. Der Mudi ist niemals größer als die Hacken dieser Rinder. Er sorgt dafür, dass das Viehzeug dorthin geht, wo es hin soll, und fern bleibt, wo es nicht hin darf. Wenn man einmal einen Mudi bei der Hütearbeit gesehen hat, weiß man was mutig heißt. Die gleichen Qualitäten bieten diese Hunde bei der Wildschweinjagd, für die noch einige andere Tätigkeiten vonnöten sind.

Heutige Verwendung:
Es ist eine aktive Rasse, die am glücklichsten ist wenn eine Aufgabe für sie besteht. Sollte das nicht der Fall sein, denkt er sich eine aus. Hervorragend geeignet für Agility, Obedience, Flyball, Rettungshundausbildung, etc.

2. sehr hohe Lernbereitschaft
Betrachten wir die Vergangenheit nüchtern. Die Hirten und Bauern schätzten einen guten Arbeitshund, diese wurden nie verzogen und mit Zuneigung überschüttet. Wenn der Hund lernte was von ihm verlangt wurde, dann blieb er für die Zucht erhalten, ansonsten wurden diese Tiere eliminiert. Keiner konnte es sich leisten einen unnützen Hund oder langsamen Lerner durchzufüttern. Aber die Tiere die gute Arbeit leisteten, wurden geschätzt und zur Zucht eingesetzt, und das ist bei den Schäfern auch heute noch so.

Heutige Verwendung:
Es macht viel Spaß dem Mudi neue Dinge beizubringen. Er ist bemüht herauszufinden, was von ihm verlangt wird! Unterschätze ihn nicht, er kann eine Menge lernen und behalten! Es ist eine Herausforderung einen Mudi zu fordern, oder ihm einen Schritt voraus zu bleiben. Er ist sehr flink, sowohl körperlich als auch geistig, und lernt sehr schnell. Deswegen wird es ihm nach der dritten Wiederholung langweilig und er ist auch für so genannten Kadavergehorsam ungeeignet. Die Übungseinheiten sollten kurz und motivierend sein, dann wird man erstaunt sein wie schnell der Mudi lernt und es auch behält. Wenn ein Mudi erst einmal seinen Job kennt, wird er diesen auch zuverlässig erledigen ohne sich ablenken zu lassen.

3. Temperamentvoll/ Aufmerksam/ Wachsam:
Diese drei Attribute habe ich zusammengefasst, da sie zusammenspielen. Der Mudi ist ein sehr aufmerksamer Hund, und anders als andere Hunde wird er, falls er etwas bemerkt, der Welt durch Bellen davon berichten. Dies wurde von der Rasse erwartet, denn es war wichtig zu wissen ob Freund oder Feind sich näherte, z.B. der Herde. Obwohl der Mudi ein Hütehund ist, hat er einen großen Schutztrieb. Er ist immer auf Wachposten, und falls er etwas Verdächtiges sieht, benachrichtigt er die großen Wächter (Kuvasz, Komondor) oder den Hirten. Er ist mutig und wird nicht weichen.

Heutige Verwendung:
Diese Qualitäten macht es der Rasse teilweise schwierig mit uns zu leben, besonders wenn man keine Erfahrung im Umgang mit Hunden hat, oder sich diese Rasseeigenschaften nicht bewusst ist. Sie sind „laute“ Hunde – sie bellen bei jeder Situation die ungewöhnlich ist, oder wenn sie unsicher sind.
Eine Art dies in den Griff zu bekommen, ist ihnen auf Kommando das Bellen beizubringen und auf Kommando aufzuhören. EIN SEHR WICHTIGER Trick, falls man aufgrund der Wohnsituation keinen Kläffer gebrauchen kann, oder es einem einfach auf den Geist geht. Der Mudi wird jeden kleinen Unterschied merken. Der Schlüssel für einen glücklichen, selbstbewussten Hund ist die Sozialisierung: dabei früh anfangen und immer weiterführen. Hier ein Beispiel aus unserem Zusammenleben: mein Rüde liebt Menschen und wir gehen oft im Wald spazieren. Er bellte anfangs, läuft nun aber schwanzwedelnd auf sie zu. Eines Tages kamen uns Wanderer mit riesigen Rucksäcken und Wanderstöcken entgegen. Ja, die rochen nach Mensch, aber etwas war anders (Bellen). Er musste erstmal herausfinden, dass Menschen auch mal so aussehen können. Dann kam der Schnee und Skiläufer. Gleiches Theater, und dann Leute auf Schneeschuhen. Das ganz noch mal – die sahen ja wieder ganz anders aus. Dann kamen die Mountainbiker …
Das meine ich mit Sozialisieren, dem Hund die unterschiedlichen Situationen zeigen. Da der Mudi, wie eben gehört, sehr lernfähig ist, wird beim zweiten oder dritten Mal nichts mehr als neu oder ungewöhnlich empfunden.

4. Mutig
Der Mudi ist ein sehr schneller Hund, der das zu seinem Vorteil ausnutzen wird. Er wird die Herde durch bellen bewegen und sich auch nicht durch ein großes Tier, das ihn angehen will in die Flucht treiben lassen. Er wird seine Position verteidigen, notfalls mit schnellen Ausweichmanövern. Größenunterschiede werden ihn niemals von der Arbeit abhalten. Und wie bereits erwähnt, keiner hat dem Mudi gesagt, dass er kein großer Hund ist.

Heutige Verwendung:
Der Mudi wird seine Arbeit jederzeit verrichten, was auch immer es ist. Er wird alles geben, wenn es merkt, dass sein Besitzer bedroht ist.

5. Hervorragender Wach- und Begleithund
Der Wachtrieb ist beim Mudi sehr gut entwickelt. Als Hütehund ist er jederzeit aufmerksam, und bellt, falls ihm etwas verdächtig erscheint. Er ist sich sehr wohl über seinen Besitz bewusst und bewacht diesen. Der Mudi jagte auch in der Nähe der Herde und bewachte seine Beute bis Zeit war sie zu verspeisen.
Als Hütehund arbeitet er eng mit dem Menschen. Er braucht die Gesellschaft und ist glücklich, wenn er in der Nähe seines Herrn sein kann.

Heutige Verwendung:
Seine Wachsamkeit kann zum Problem werden, falls man nur ein unkomplizierten Haushund haben möchten. Der Mudi kann alles bewachen: Futter, Spielzeug, seinen Herren, das Auto usw. Das tut er indem er bellt und knurrt und nicht zurückweicht. Hier einige Ideen damit umzugehen. Wegen seiner Futterverteidigung fütterte ich mein Mudi zuerst aus der Hand, dann hielt ich meine Hand in der Schüssel als er fraß. Ich machte sehr oft „Tauschgeschäft“ mit ihm – einen Ball gegen einen gleichen Ball, oder für ein paar Leckerchen tauschen, usw. Niemals etwas gewaltsam wegnehmen. Er lernte daraufhin mir zu vertrauen, und das Problem wurde geringer. Er zeigt jedoch trotzdem seine Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft gegenüber meinem anderen Hund durch Bellen an. Dieses generelle Verhalten von Mudis kann zum Problem werden, wenn Bellen unerwünscht ist.
Zum Thema Begleithund, der Mudi möchte immer gerne dabei sein. Er wird von Zimmer zu Zimmer mitgehen wenn es möglich ist. Er ist sehr intelligent und schafft es oft einen durch seine Albereien zum Lachen zu bringen.

Weitere Kommentare:
Der Mudi ist noch sehr ursprünglich und noch nicht „überzüchtet“. Da er oft auf sich selbst gestellt war, hat er einen starken Überlebenstrieb. Ein 8 oder 10 Wochen alter Welpe, der in einem unbekannten Umfeld gebracht wird zeigt starke Ambitionen das neue Umfeld zu erkunden, er wird schnuppern, Geräusche lokalisieren, fliegende Vögel bemerken usw. Er wird nicht tollpatschig durch die Gegend taumeln. Falls ihm etwas neu ist wird er es sich genauer anschauen. Dabei ist er sehr vorsichtig, aus Selbsterhaltungstrieb, nicht aus Angst. Im Ernstfall wird er nicht zurückweichen!

Meiner Meinung nach wird ein gerechter, konsequenter und wissender Hundehalter dem Mudi gerecht. Gewaltanwendungen in der Erziehung bringen bei der Rasse keine Erfolge. Aber ab und zu ein ernstes Wort zur richtigen Zeit ist angebracht. Der größte Teil der Erziehung sollt jedoch mit sanften und positiven Methoden erfolgen. Ein Beispiel wie ich meine Rudelanführer-Stellung behaupte: Ich verlasse zuerst das Haus, bzw. mein Mudi muss warten bis ich ihm erlaube durch die Tür zu gehen. Das gleiche gilt für das Auto, erst auf mein Kommando darf er aus- bzw. einsteigen, auch wenn die Tür schon offen ist.

Ich denke der Mudi ist eine phantastische Rasse für den Hundenarr der diese Hunde versteht und einen guten Arbeitshund möchte, egal ob Agility, Obedience, Flyball o.ä. Er ist sehr behände (es gibt einige Mudi-Leute die glauben bei den Vorfahren waren Katzen oder Affen) es ist ein fröhlicher, enthusiastischer Arbeitshund. Seine Körpersprache ist einfach zu lesen, man weis jederzeit woran man ist. Er möchte seinem Herrn alles recht machen. Wenn er gut sozialisiert und vernünftig erzogen wird, ist er ein kleiner dynamischer Hund. In seiner eigentlichen Verwendung als Hüter von Haus, Hof, Familie und Vieh geht er vollkommen auf. Aber bitte glauben sie nicht, er sei ein nettes kleines Haushündchen, das gut alleine bleiben kann. Ich persönlich glaube, es ist für keinen Hund schön ohne Aufgabe zu sein, aber es gibt bestimmt andere Rassen die in der Hinsicht besser geeignet sind.


Der Mudi

Szabó Zsuzsanna
Erschienen in Ungarn, 1998

Eine kurze Zusammenfassung betreffend der Eigenschaften des Mudi:
Der Mudi ist keine bekannte und populäre Rasse, das kann ich nur durch die unbekannte züchterische Vergangenheit und durch die Verstreutheit der Züchter erklären.
Betrachten wir das Äußere, ist der Mudi bis heute keine einheitliche Rasse, das sich aus seiner Vergangenheit ableiten läßt, denn die Schäfer haben in erster Linie nach der Arbeitsfähigkeit und der Brauchbarkeit gezüchtet, nicht nach dem Aussehen.
Die Grundlage der Selektion war das gute Hüteverhalten, nicht die äußere Form.
Das eher unscheinbare Äußere des Mudi verbirgt eine mit fantastischen Fähigkeiten ausgestattete Rasse. Ich behaupte, wer einmal einen richtig guten Mudi kennenlernt, der wird sich ohne Ausnahme in diese Rasse verlieben.
Er ist ein idealer Familienhund, leicht erziehbar und robust in der Fütterung und Haltung. Er ist sehr wachsam und nimmt es im Ernstfall mit weit größeren, überlegeneren Gegnern auf. Durch seine intelligente, mutige, draufgängerische Hütearbeit ist es nicht Zufall, das man heute fast nur Mudis oder Pumis bzw. Mischlinge beider Rassen an den Herden sieht. Bei diesen Hunden ist das Hüteverhalten angeboren und fast perfekt. Es liegt ihnen im Blut, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, sieht man auch die nur einige Wochen alten Welpen mit großer Begeisterung die Hühner treiben. Auch wenn sie noch ab und zu hinfallen, aber schon mit 5-6 Wochen versuchen sie mit dünnem Gebell und Knurren die Schafe zu treiben!

Er ist für jede Aufgabe ausgesprochen leicht auszubilden, da er immer auf seinen Besitzer schaut, ihm fast versucht, die Gedanken zu lesen. Er ist sehr gehorsam uns schließt sich sehr sehr eng an den Besitzer an. Einen Mudi kann man nicht verlieren, er ist immer darauf bedacht, seinen Besitzer nicht aus den Augen zu lassen. Er ist glücklich, wenn er etwas für seinen Besitzer tun darf, denn sein Leben ist die Arbeit.

Obwohl er sich auch in einer Stadtwohnung wohlfühlt, ist für ihn ein Leben ohne Beschäftigung nicht ratsam.
Er möchte sich nützlich machen, der Besitzer tut gut daran, ihm verschiedene Aufgaben zu geben. So ist es zu verhindern, das einen unliebsame Überraschungen erwarten, z.B. hat ein „unterbeschäftiger“ Mudi sich damit vergnügt, jeden Brocken des 15 kg-Futter Sackes in die Trommel der Waschmaschine zu verstecken…
Er ist zum Bewachen und als Wachhund gut geeignet. Er bellt nicht zuviel, aber einige sind ausgesprochen scharf. Einigen Meinungen zufolge sollte man ihn als Schutzhund züchten und propagieren. Dagegen werde ich kämpfen, denn er ist ein ursprünglicher Hütehund, und als solcher gar nicht in der Lage sich aggressiv gegen Menschen zu verhalten, es sei denn ,seine Familie ist bedroht. Bei einem normalen Mudi ist es unvorstellbar, dass er einen Menschen angreift, dazu ist er viel zu intelligent!

Da es eine unglaublich intelligente Rasse ist, lernt er erstaunlich schnell und mit einer riesigen Freude. Aber genau deswegen, weil er so schnell lernt ist eine harte, auf Drill und Druck basierende Ausbildung für ihn nicht geeignet.
Schon nach dem 3.-4. Mal „Sitz, Platz“ zeigt er deutlich, dass es ihn langweilt. Er gähnt, er jammert, verdreht die Augen und zeigt einfach, das ihn diese Wiederholungen langweilen.
Es ist in der Wohnungshaltung von Vorteil, das er recht klein ist, das er sich gut anpassen kann, und sein pflegeleichtes Fell ist ideal. Er fühlt sich auch in einer kleinen Wohnung wohl, vorausgesetzt, das er seinen Bewegungsdrang und seine Lernbereitschaft täglich ausleben kann.
Durch seinen guten Geruchssinn ist er auch leicht als Fährtenhund und zum Erkennen von Gegenständen auszubilden. Es wäre sicher lohnend, diese Rasse auch als Drogensuchhund auszubilden.
Durch seinen leichten Knochenbau und die Arbeitsfreude, ist er auch für Agilitywettbewerbe mit Erfolg ausgebildet worden. Es ist eine Freude zu sehen, wie er über die Hürden fliegt und den Besitzer zum schnelleren Lauf auffordert!

Übersetzung: Gabi Buza-Kiss


Und nun ein Kommentar von Gabi Buza-Kiss,
die sowohl mit einem Mudi als auch einem Pumi lebt

Das war eine kurze Beschreibung des Temperamentes dieses Hundes von jahrzehntelangen Züchtern und Kennern dieser Rasse.
Denn trotz aller fantastischen Eigenschaften darf man nicht vergessen, das der Mudi ein Vollblut-Arbeitshund ist, der, wie der Border-Collie auch, ohne Beschäftigung aggressiv oder apathisch werden kann.
Nur täglich Gassi gehen reicht diesen Hunden nicht aus, sie wollen auch geistig gefördert werden.
Im Idealfall natürlich an der Herde, aber inzwischen gibt es soviele andere Möglichkeiten:
Vor allem natürlich Agility, aber auch der traditionelle Vierkampf, dann die neuen Hundesportarten Obedience und Dog-Dancing, ebenso wie die Fährtensuche oder die Arbeit als Rettungshund., manche nehmen auch erfolgreich an Schutzhundeprüfungen teil, wobei da besonders viel Wert auf die Qualität der Ausbildung gelegt werden muss.
In Finnland nehmen viele Mudis erfolgreich an schwierigen Obedience und Agility Prüfungen teil, mit beachtlichen Erfolgen.
Ein Vollbruder zu unserer Lucca arbeitet inzwischen als Flächensuchhund für vermisste Personen im Amerika.
Es gibt unzählige Möglichkeiten, diese Hunde zu beschäftigen, dazu braucht man nicht unbedingt immer einen Hundeplatz oder eine Hundeschule zu besuchen, auch zuhause bieten sich viele Möglichkeiten.
Wieso nicht dem Hund das Apportieren von Gegenständen beibringen und ihn z.B. die Wäsche in den Korb werfen lassen…. oder ihm einfach das Bringen von unterschiedlichen Gegenständen beibringen.
Literatur gibt es inzwischen genug, wo man solche Sachen nachlesen kann.

Aus meiner Sicht ist der Mudi sicherlich im Vergleich zum Pumi der angenehmere, leichter zu führende Hund, der allerdings andere Anforderungen stellt und noch gelehriger ist. Er ist leicht auszubilden, verzeiht aber durch seine Sensibilität nicht alle Ausbildungsfehler. Druck, Härte und Zwang sind absolut fehl am Platz. Dafür um so wichtiger ist auf eine gute Prägung im Welpenalter zu achten ( gerade in Ungarn wird das teilweise sträflich vernachlässigt, so dass diese Welpen hier teilweise nicht mehr zu sozialisieren sind), ein Mudi ist zwar zurückhaltend und vorsichtig Fremden gegenüber, doch darf das nie in Aggression oder übersteigertes Angstverhalten umschlagen. Leider sieht man noch einige solcher Mudis, aber das ist nicht so, wie er tatsächlich ist! Traurig, aber wahr: Finger weg von solchen Welpen, denn diese werden im Regelfall nicht plötzlich als Junghunde besser! Man tut gut daran, beim Welpenkauf die Augen offen zu halten, vor allem in Ungarn.

Um das teilweise zurückhaltende Wesen in Griff zu bekommen, ist es unbedingt notwendig, eine gute Welpenspielstunde zu besuchen. Das sollte zwar inzwischen selbstverständlich sein, ist es aber leider noch nicht.

Im Allgemeinen ist es sicherlich kein Problem, mit einem Mudi eine Begleithundeprüfung abzulegen oder mit ihm an anderen Wettbewerben teilzunehmen. Da er m. E. wesentlich leichter zu führen ist als ein Pumi, ist er auch für Anfänger geeignet, allerdings nur für solche, die sportlich sind und bereit sind viel Zeit in die Ausbildung ihres Hundes zu investieren.
Einen Pumi wiederum würde ich nicht in Anfängerhände empfehlen, zwar ist er ebenso lernfreudig und arbeitseifrig, aber je nachdem wieviel Terriererbe durchschlägt, teilweise auch recht schwer zu beeindrucken und manchmal ziemlich dickköpfig. Da ist dann absolute Konsequenz gefordert, und das ist doch manchmal nicht einfach.

Insgesamt kann man sagen, das es zwei hervorragende Familienhunde sind, die sich, bei entsprechender Förderung, zum absoluten Traumhund entwickeln können. Nicht nur die handliche Größe und die robuste Gesundheit, auch die Lernfreude und die Arbeitsbereitschaft zeichnen diese Hunde aus.

Nur eins darf man nicht vergessen: diese Hunde wurden bis vor kurzem noch rein auf Arbeit und Leistung selektiert, also benötigen sie neben viel Aufmerksamkeit immer eine artgerechte Beschäftigung!
Wer nur kurz Gassi gehen möchte und ansonsten einen gemütlichen Sofahund haben will, ist mit diesen Hunden schlecht beraten. Zumindest eine Hundesportart sollte man mit diesen Hunden betreiben, damit auch die Hunde glücklich werden!

Gabi Buza-Kiss