Julie

… ganz einfach mudilike!

von Andrea Bacher

Julchen

Im Herbst 2006 kam ich auf den Gedanken, dass unser Rudel sich vergrößern sollte.
Mit Westie und Borderterrier (der mit seinem Jagdtrieb etwas über das normale Maß hinausragte) war schnell klar, dass der Nachwuchs nicht aus Terrierkreisen sein sollte.
Da saß ich nun und wusste genau, was ich nicht wollte aber was wollte ich?
Ein Hündchen, dass noch mit unter den Schreibtisch passt, vom Körperbau geeignet um mit ruhigem Gewissen Agility trainieren zu können, der Jagdtrieb sollte sich in Grenzen halten (also evtl. ein Hütehund) – und vor allem: süüüüüüß  sollte sie sein.

Nach langem Bücher- und Zeitschriftenwälzen entdeckte ich im Internet durch Zufall die Rassebeschreibung des Mudis und schnell war ich fasziniert von diesen Hunden. Ich fand traf auf der Ausstellung in Nürnberg 2 Mudis von denen mich der eine schon um den Finger wickelte und da München ja nicht weit von uns entfernt ist, traf ich mich auf der IHA mit Frau Weininger und lernte Toni kennen, die Entscheidung war gefallen – ein Mudi kommt ins Haus! Wink

Sehr schnell hatte ich im Internet einen sympathischen Züchter gefunden und es stellte sich heraus, dass dort im aktuellen Wurf noch eine Hündin ein Plätzchen suchte. Ende April 2007 sollte also das Muditier bei uns Einzug halten – leider läuft nicht immer alles so, wie man es sich wünscht und so wurde mir 2 Tage vor dem geplanten Abholtag mitgeteilt, dass der Hund nun doch anderweitig vergeben wurde. Da saß ich nun wieder … Welpenauslauf im Büro und im Wohnzimmer standen bereit und im Gedanken lief die kleine Maus eigentlich schon seit 6 Wochen bei uns mit.
Ich brauchte etwas, um die Enttäuschung zu verarbeiten und beschäftigte mich mit der Suche nach einem anderen (auch sympathischen) Züchter.
Im Internet fand ich eine Züchterin in der Schweiz (sie züchtet(e) über den ungarischen Klub) und bei Kontaktaufnahme stellte sich heraus, dass diese aus dem letzten Wurf noch eine Hündin mit 4,5 Monaten abzugeben hatte. Die Mutter war genau so, wie ich mir meinen Mudi vorstellte.

Nach einigen Telefonaten trafen wir uns am 13. Mai 2007 in St. Gallen bei der Ausstellung, das Mudimäuslein saß aufgeweckt in ihrem Arm, wir setzten uns im Getümmel an einen Tisch und die Maus wurde mir überreicht, sie rollte sich auf meinem Schoß zusammen und kuschelte sich an mich. Die Züchterin saß mir gegenüber und meinte zu ihrem Mann: „Ich glaube, Sie zieht um“
Eigentlich wollte ich ja „nur mal schauen“ (warum fährt man sonst 350 km nach St. Gallen?) und hätte nie gedacht, dass ich an diesem Tag mit einem neuen Familienmitglied heimkommen würde. Es sollte aber wohl einfach so sein!

Zuhause angekommen war es irgendwie so, als würde das Mäuslein schon immer bei uns sein! Ab und an wurde sie von Jackie (unserer alten Westiedame) etwas zurechtgewiesen, ansonsten hatte ich jetzt eben drei Hunde.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass das Muditier sehr stark und übertrieben auf Reize und fremdes reagierte und mit Hilfe der „falschen Hundeschule“ und vielen gutgemeinten, aber eben falschen Tipps haben wir uns ganz schnell zum Chaosteam entwickelt. Nur zuhause waren wir wirklich glücklich! Mir war unser Chaos einfach peinlich (ich dachte, ich wäre absolut unfähig) und erst als ich Kontakt zu anderen Mudibesitzern hatte und feststellte, dass Julchens Verhalten gar nicht „gestört“ sondern eben nur „mudilike“ ist, haben wir uns langsam zu einem richtig coolen Team entwickelt!

Heute ist das Julchen so ein toller Hund! Sie hat mittlerweile gelernt, sich zumindest körperlich einigermaßen zu beherrschen (als Ventil zum Dampfablassen bleibt ihr immer noch die Stimme, das ist für einen Mudi optimal). Sie begleitet mich und Kevin täglich ins Büro und ist dort für die Rolle der „MissesOberwichtig“ zuständig, täglich müssen ALLE Papierkörbe auf Joghurtbecher, Krümel und sonstige überlebenswichtige Dinge kontrolliert werden. Außerdem haben 2 Kollegen einen Vorrat an Trockenfutter im Schreibtisch.

Der Postbote muss vertrieben werden, seit dieser den Dienst mit der freundlichen „gelben Tante“ getauscht hat, die immer die Frolic-Tüte dabei hatte. Vormittags wird lautstark der Betriebshof abgecheckt und mittags geht’s eine kleine Runde über die Felder. Wenn Frauchen im Sommer nicht aufpasst, dann entwischt sie auch schnell mal zur Pferdekoppel des Nachbarn und treibt das „große schwarze Tier“ in die Ecke.

Wenn wir alleine Gassi gehen, streift sie gerne über die Felder und hüpft wie ein Känguru von einem Mauseloch zum anderen, dabei aber immer wieder der Blick um zu überprüfen, wo ich bin um dann wie ein „geölter Blitz“ aufzuschließen.
Krähen und Katzen müssen natürlich vertrieben werden 😉
Sobald jedoch andere Personen und Hunde mit unterwegs sind, dann läuft sie links hinter mir mit ihrer Nase in meiner Kniekehle (sicher ist sicher!).
Zwei- bis dreimal die Woche geht es zum Hundeplatz, wo wir uns dem Agilitysport verschrieben haben. Julie arbeitet gerne, möchte alles richtig machen und kommt dadurch manchmal etwas ins „Bummeln“. Es ist ein absolutes Phänomen: solange ein anderer Hund in Aktion ist, ist Julie absolut am ausflippen (dann geht gar nichts mit Selbstbeherrschung!), sobald wir aber zur Starthürde gehen und ich das Halsband abnehme, atmet die Maus durch und ist „die Ruhe in Person“ – manchmal eben auch etwas zu ruhig. Auf jeden Fall ist es ihr anzusehen, dass ihr „das Hüpfen“ Spaß macht! Immerhin hat sie sich mit mir in die A3 gekämpft und wir können uns „Vereinsmeister der OG Bruckmühl 2011“ nennen! *schoneinbisschenstolz*
Wir haben uns ein wenig in Obedience versucht, was aber leider nicht meinen Leidenschaften entsprach.

Ansonsten versuchen wir uns immer wieder mal an kleinen Tricks, nur leider bin ich dafür etwas zu wenig ehrgeizig, so dass wir mit vielen „halbfertigen“ Zirkuskunststückchen glänzen können.
Im „Alltag“ ist das Julchen ein sehr angenehmer Hund, wenn mal nicht die Zeit zur großen Mudibespassung ist, dann kann das Tier auch einfach mal chillen, wobei ihre Aufmerksamkeit doch immer auf mich gerichtet ist, um ja den Anschluss nicht zu verpassen. Am liebsten liegt sie bei mir auf der Couch oder, wenn Besuch da ist, unter dem Tisch.
Im Übermut muss oft unser „alter Herr“ Kevin etwas leiden, der dann ein schwarzes, knurrendes Etwas am Ohr hängen hat.
Es gibt auch Situationen, in denen für das Mudimäuselein die Welt zusammenbricht Undecided, so zum Beispiel, wenn die Mudibox nach 5 Jahren plötzlich von der linken auf die rechte Kofferraumseite wandert. Das Julchen ist wirklich ein Gewohnheitstier – das hat uns in der Vergangenheit viel geholfen, da wir mit bestimmten Ritualen viele Problemchen umgehen konnten.

Zusammenfassend: Mir war damals nicht klar, was es bedeutet, einen Mudi ins Haus zu holen! Es war teilweise eine anstrengende Zeit, ich möchte aber keine Minute mit der Maus missen, ich bin froh dass ich soviel lernen konnte und durch sie auch so viele nette Leute kennengelernt habe. Ich hoffe, das Mäuslein noch sehr lange gesund und munter bei uns zu haben.
Das Julchen ist einfach etwas Besonderes!


Steckbrief

Name: Julchen / Julie / Lully…
Geboren: am 22.12.2006 als „A Hortobagy Legendaja Janka“
Hobbys: Prinzesschen sein, Mäuse jagen, Sofa kuscheln
Eigenschaften: anhänglich, wachsam und sooooooooo süüüüüüß
mag am liebsten: hüpfen, bellen, lecker Fleischi
mag nicht: Veränderungen, Fremde Hunde am Gartenzaun und Fisch
wohnt in: Bad Aibling – Oberbayern
bei: Andrea Bacher


Julie


 

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