Morzsi

Wie ich auf den Mudi gekommen bin und Morzsi bei mir eingezogen ist …

von Miriam Guntrum

Eigentlich ganz einfach: Ich suchte einen Hund um wieder im Agility-Turnier-Geschehen teilnehmen zu können. Die Vorgeschichte ist folgende: Ich lebte mit 2 großen Schäferhund-Mischlingen zusammen, Bu und Tim. Bu kam aus Spanien, Tim war ein Überbleibsel aus einem nicht-geplanten-Wurf im Nachbarort. Mit beiden habe ich angefangen, Agility zu lernen. Bu konnte aufgrund von Gelenkproblemen den Sport nicht mehr ausüben und Tim hatte Anfang 2006 einen Autounfall, so dass auch er kein Agi mehr machen konnte. Es kam für mich nie in Frage, einen 3. Hund ins Haus zu holen.

Aber der Agility Virus  ließ mich niemals los und ich machte mir im Laufe der Zeit viele Gedanken darüber, welcher Hund bei mir in Zukunft einziehen könnte. Wieder ein Mischling? Oder doch ein Rassehund? Mit Papiere? Ohne Papiere? Was für eine Rasse? Border Collies sind sehr hübsch und geeignet für unseren Sport. Kann ich einem Boder Collie gerecht werden? Aber eigentlich wollte ich gar keinen Border Collie.

In 2005 bei der Agi WM in Basel habe ich zu viel „schwarz-weiß“ gesehen. Ich hatte genaue Vorstellungen von meinem zukünftigen Hund: Nicht mehr so groß soll er sein (Tim hatte eine Schulterhöhe von 65 cm), das Fell soll eher kurz und pflegeleicht sein (kein kämmen nötig), der Kopf soll schäferhundähnlich aussehen, auf jeden Fall muss er familientauglich sein und natürlich soll er Spaß am Agility haben.

Ende 2006 war ich auf einem Seminar bei Silvia Trkman. In den Pausen übte Polona Bonač (die ich bis dahin noch nicht kannte) mit einem kleinen schwarzen Hund. Das war mein Schlüsselerlebnis.

Fasziniert fragte ich Polona nach ihrem Hund. Es war ein Kroatischer Schäferhund (Hrvatski Ovcar). Der Hund war außerhalb vom Parcours ruhig und entspannt, im Parcours dagegen schnell wie ein „Flitzebogen“, wendig, mit Freude dabei und „laut“. Was mir von meinem Gespräch mit Polona u.a. im Gedächtnis geblieben ist, war die Aussage „du musst das Bellen mögen“. Das mochte ich eigentlich überhaupt nicht. Da mein Interesse aber geweckt war, befragte ich eine bekannte Suchmaschine nach der Rasse. Bei meinen ganzen Recherchen kam dann auch der Mudi auf den Bildschirm. Im darauffolgenden Frühling traf ich während eines Turniers einen Bekannten mit einem jungen Mudi, der von mir mit vielen Fragen über Charakter und Verhalten vom Hund, Züchter, usw. gelöchert wurde. Wieder auf einem anderen Seminar traf ich Alen Marekovic, Züchter von Kroatischen Schäferhunden und Border Collies. Auch Alen wurde von mir nach Mudis und HO’s befragt. Außerdem fragte ich ihn, ob ein HO oder Mudi zu meinen Vorstellungen passt. Seine Meinung als „Fachmann“ war mir ganz wichtig.

Die Idee mit dem Kroatischen Schäferhund oder Mudi hatte sich mittlerweile in meinem Kopf festgesetzt. Auch, dass es ein Hund mit Papieren sein soll war für mich klar. Da Bu und Tim beide nicht gesund waren (u.a. Skeletterkrankungen, Krebs) sind für mich eine nachvollziehbare Zucht, gesunde und wesensfeste Eltern, eine gute Sozialisierung der Welpen, usw. sehr wichtig.

Meine Hündin Bu ist Anfang 2009 an Krebs gestorben. Das war sehr schlimm für mich und ich wollte eigentlich überhaupt keinen neuen Hund haben. Aber es kam dann doch anders. Ich wusste, dass Alen Marekovic einen Wurf Kroatischer Schäferhunde hatte. Davon hatte eine Hündin noch kein neues zu Hause. Ich überlegte, beobachtete, überlegte und schrieb ihm. Zu lange habe ich überlegt, denn einen Tag vorher wurde die Hündin vergeben.

Mein Entschluss war nun gefasst: ich möchte jetzt einen Welpen. Da es zu diesem Zeitpunkt für mich leichter war, einen Mudi Welpen als einen HO Welpen zu bekommen, nahm ich mit einigen Mudi Besitzern Kontakt auf, schrieb einem Züchter in Ungarn und schaute auf der Homepage vom KfUH. Anfang 2009 fielen 3 Würfe Mudis in Deutschland. Ich kontaktierte 2 Züchter. Ein Wurf Welpen war bereits auf der Welt, der andere noch nicht. Wir vereinbarten mit dem ersten Züchter einen Besuchstermin. Alles lief sehr gut, bis zu dem Punkt, da sich bei mir von einem auf den anderen Tag alles anders darstellte. Ich musste den Besuchstermin absagen und es war fraglich, ob überhaupt ein Welpe bei uns einziehen kann. Glücklicherweise konnte ich meine Probleme lösen und da ich noch Kontakt mit der zweiten Züchterin hatte und die Welpen noch nicht geboren waren, waren wir uns bald einig, s.d. meinem Ziel nichts mehr im Weg stehen sollte.

Morzsi als WelpeWir wurden mit vielen Bildern versorgt und schrieben uns. Nun könnte man davon ausgehen, bei 3 schwarzen Welpen sieht man keinen Unterschied, aber ein Welpe fiel mir jedes Mal auf. Er sah irgendwie „wacher“ und „frecher“ aus. Auch als ich die Züchterin besuchte und ich die Welpen das erste Mal sah wurde mein persönlicher Eindruck bestätigt. Es war der Kleinste von den 3en. Er war am längsten wach. Hat sich regelrecht gegen das Einschlafen gewehrt. Seine Augen gingen langsam zu, der Kopf senkte sich, er nahm den Kopf wieder hoch, machte die Augen auf, doch die Müdigkeit war größer. Seine Geschwister schliefen schon längst. Das war sie, die Liebe auf den ersten und zweiten Blick. Einige Wochen später holte ich meinen Morzsi zu uns nach Hause. Morzsi bedeutet übersetzt „Krümel“; und das war er auch für mich, mein winziges kleines schwarzes Knäuel.

Morzsi und seine KumpelMorzsi hat von Anfang an viel erlebt. Mit 3 Monaten war er auf einer Feier dabei, dass bedeutet 3 Tage draußen zelten mit vielen Menschen, Musik, anderen Hunden; wir fuhren mit ihm ans Meer (da war ca. 4 Monate jung); Absperrbänder, die im Wind flatterten, erschreckten ihn nicht, sondern wurden untersucht; er fuhr Boot; in Wäldern lernte er auf alles mögliche zu klettern; verlassene Kinderspielplätze sind auch sehr geeignet um Welpen Vertrauen, Spiel und Spaß beizubringen (Nestchenschaukel, Rutsche, Drehscheiben, uvm); einen Welpenkurs in einer Hundeschule haben wir besucht; wir sind Zug gefahren, waren in Städten unterwegs, zeigten ihm Rolltreppen, Busse und U-Bahnen.

Kurze Zeit nach Morzsi’s Einzug bei uns kam ein Besuchshund dazu: Yano. Yano war erst Gast und nun bleibt er. So sind wir in kürzester Zeit in 2009 von 2 auf 1 auf 2 auf 3 Hunde gekommen (wobei Tim im Dezember 2011 gestorben ist).

Morzsi auf der LeiterMorzsi ist für mich genau der richtige Hund! Manchmal quirlig, manchmal entspannt. Er ist stets bereit mit mir gemeinsam etwas neues zu lernen. Genauso gut liegt er aber auch den ganzen Tag neben mir, wenn ich keine Zeit habe. Beim Spazieren gehen sucht er sich Äste, tänzelt damit vor Yano herum, um zum spielen aufzufordern. Sein Tonlagen-Repertoire, was er mit Stock im Maul (!) von sich gibt, ist beachtlich! Er lässt sich mit meinem Pfiff zurück rufen, wenn er einen Hasen oder ähnliches zu Gesicht bekommt und den Ansatz macht, hinterher zu rennen. Morzsi versteht sich mit den meisten anderen Hunden. Manche Rüden mag er nicht. Mit den meisten Menschen kommt er klar. In einer Gruppe fremder Hunde ist Morzsi zurückhaltend und ruhig. Mich beeindruckt, wie schnell dieser kleine Hund rennen kann bzw. wie schnell er beschleunigt. Morzsi gibt bei allem 100 %. Er lässt sich beim arbeiten/spielen mit Futter genauso gut bestätigen, wie mit Spielzeug. Und er sucht unseren Körperkontakt. Er kuschelt mit uns wie ich es nur von Katzen kenne. Seine Mimik und seine Stimme sind sehr abwechslungsreich und das fasziniert mich Tag für Tag. Im Agility läuft er sehr gut. Morzsi ist mit seinen knappen 45 cm (eingemessen mit 44,2) ein Large Hund. Er springt die 60 cm problemlos, ebenso 65 cm. Und wenn ich ihn richtig führe, so stehen wir öfters auf dem „Siegertreppchen“ und haben im Januar 2012 in einem Durchmarsch den Aufstieg in die A3 geschafft. Es freut mich ungemein, dass meine kleines schwarzes „Ding“ mit den „Großen“ mithalten kann.

Das Bellen: Ja. Er tut es. Er bellt: wenn er möchte, dass Yano oder ein anderer Artgenosse mit ihm spielen soll; in Aufbruchstimmung; im Parcours; wenn ich nach Hause komme; wenn ein Fremder über den Hof läuft. Er hört aber auch wieder auf und ich kenne dieses Verhalten auch von Bu. Manchmal stört mich sein Bellen, wenn ich eine für mich neue Situation im Parcours üben möchte. Wenn ich ins stocken komme, fängt Morzsi an und hört mir nicht zu. Folglich schaffe ich nicht ihm zu zeigen, was ich möchte. Dabei dreht er sich um sich selbst und rempelt mich an. Wenn ich ihm das „Platz“ Kommando sage, liegt er zwar, aber bellend. Manche andere Hunde sind dann ruhig, Morzsi nicht. Aber wir arbeiten daran – mit Erfolg!

Auf Ausstellungen waren wir auch ein paar mal, zuletzt in Dortmund im Oktober 2011. Hier ist Morzsi Bundessieger und BOB geworden.

Mein Fazit: Ich würde immer wieder einen Mudi nehmen – wir sind glücklich!


Steckbrief

Name: Mókás Magyar A Morzsi
Geboren: geb. 02.05.2009
Hobbys: Agility
Eigenschaften:  beharrlich (= ausdauernd, zäh, standhaft, hartnäckig), herzlich (= unglaublich kuschelig)
mag am liebsten: mit Miriam spielen (Agility, Tricks lernen, Suchspiele, Blödsinn machen); mit Yano spielen; rennen; immer „mit dabei sein“
mag nicht: angepustet werden, an 2. Stelle stehen, zu Hause bleiben
wohnt in: Mücke
bei: Miriam Guntrum



 

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